Verwaltungsmodernisierung: Jahrbuch 2011


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Horst Westerfeld

Bevollmächtigter für E-Government und Informationstechnologie der hessischen Landesregierung



 

Verwaltungsmodernisierung und Wege aus der Schuldenfalle

Der Weg zu einer Konsolidierung des Landeshaushalts ist trotz der unerwartet steigenden Steuereinnahmen unausweichlich. Mit der Umsetzung der gesetzlichen Vorgabe, dass ab 2020 keine Nettoneuverschuldung aufgenommen werden darf, sollte und muss möglichst frühzeitig begonnen werden. Dabei bietet die Informationstechnologie (IT) eine ideale Möglichkeit, die Einsparungsanstrengungen des Bundes und der Länder zu unterstützen. Wichtig ist hierbei, dass mit der IT und nicht nur an der IT gespart wird, denn der Einsatz von IT an sich bietet enorme Einsparpotenziale, etwa bei der Automatisierung von Verwaltungsprozessen.

Innerhalb der Verwaltung sind in den letzten Jahren viele Prozesse durch IT unterlegt und modernisiert worden. Angefangen von der Kommunikation per E-Mail, der Nutzung von Dokumentenmanagement-Systemen bis hin zu verschiedenen fachspezifischen Anwendungen, beispielsweise in der Justiz, Polizei und Steuerverwaltung. Auch im Bereich des Haushalts- und Rechnungswesens hat sich die öffentliche Hand in den letzten Jahren durch den Einsatz von Standardsoftware kontinuierlich weiterentwickelt. Aus einer kameral geprägten Erfassung von Einnahmen und Ausgaben entwickelt sich eine betriebswirtschaftlich geprägte Kultur eines modernen Unternehmens mit Finanzplanung, Controlling und Berichtswesen.

Auf technischer Ebene werden ebenfalls neue Entwicklungen genutzt, um weitere Einsparpotenziale zu heben. Die Länder haben in den letzten Jahren durch kontinuierlich steigende Anforderungen an die IT immer größere Rechenzentrumskapazitäten aufgebaut. Die Hard- und Softwarevirtualisierung erlaubt bei gleichbleibender Leistung eine Reduktion der Budgets. Auch zukünftig können durch Einsatz von IT in vielen Fällen Einsparungspotenziale für die Haushaltskonsolidierung realisiert werden. Dieses gilt insbesondere für die Querschnittsprozesse der Verwaltung, wie Einkauf, zwischenbehördliche Leistungsverrechnung und Personalverwaltung. Der gezielte IT-Einsatz kann beispielsweise durch Standardisierung von Warenkörben, konsequente Nutzung von elektronischen Rechnungen oder Mitarbeiter-Self-Services dazu beitragen, erhebliche Kosten zu senken.

Weitere Einsparungsmöglichkeiten ergeben sich durch die Etablierung von Shared-Service-Centern. Diese Dienstleistungszentren bündeln Ressourcen und Know-how, die von vielen Dienststellen nachgefragt werden, aber nur noch von einer Stelle geleistet werden. Viele Länder haben bereits ihre Rechenzentren in einem Shared-Service-Center zusammengefasst. Die Konsolidierungsmöglichkeiten sind jedoch nicht nur auf das Rechenzentrum beschränkt. So können viele andere Querschnittsfunktionen gebündelt werden, beispielsweise Beschaffung, Immobilien- und Baumanagement.

Weitere Einsparpotenziale bieten die technischen Grundlagen. Einerseits können durch ressort- und länderübergreifende Kooperationen im Bereich der Rechner- und Arbeitsspeicherkapazitäten sowie durch Cloud Computing Ratiopotenziale genutzt werden. Andererseits ermöglicht die länderübergreifende Zusammenarbeit bei identischen und ähnlichen Verfahren eine Reduzierung von Entwicklungs- und Wartungskosten.

Das Land Hessen hat im Bereich der Kostenreduktion durch IT eine führende Rolle inne. So wurden bereits alle Rechenzentren zu einem landesinternen Dienstleister konsolidiert, der Hessischen Zentrale für Datenverarbeitung (HZD). Gleiches gilt für die kommunalen Rechenzentren, die in der ekom21 zusammengefasst worden sind. Innerhalb der HZD konnten in den letzten beiden Jahren große Effizienzpotenziale ausgeschöpft werden. Bei gleichbleibender Leistung wurden durch Einkaufsoptimierung, Produktivitätssteigerung und Prozessvereinfachung jährliche Einsparungen in Höhe von 30 Millionen Euro erzielt.

In der Verwaltungsmodernisierung ist insbesondere die Nutzung von IT für die Zukunft ein geeignetes Mittel, um den Weg aus der Schuldenfalle zu finden. Dabei reicht es nicht aus, dass eine Kommune, ein Land oder der Bund allein die Einsparungen anstrebt. Gerade große Einsparungen können nur durch verwaltungsebenenübergreifende Zusammenarbeit erzielt werden.