Die Gesundheitsversorgung in Deutschland und anderen entwickelten Ländern befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Neben der demographischen Entwicklung und einem steigenden Bewusstsein für Gesundheit sind dafür vor allem die enormen Fortschritte in der Medizin verantwortlich. Die medizinische Behandlung wird zu einem Prozess aus zielgenauer Diagnostik, umfassender medizinischer Information, zunehmend individualisierter Therapie und langfristigem Gesundheitsmanagement. Technisch umsetzbar wird dieser neue Anspruch der Versorgung durch den kombinierten Einsatz moderner Medizintechnik mit Systemen der Informations- und Kommunikationsbranche. Weitere wichtige Grundlage wird in Deutschland die neue Telematikinfrastruktur sein. Erst diese Verknüpfung zu einer flächendeckenden Gesundheitsinfrastruktur lässt eine konsequente Steuerung der Prozesse in der Gesundheitsversorgung nach Qualitäts- und Effizienzkriterien zu. Medizinische Daten werden zeit- und ortsunabhängig sowie schnittstellenfrei verfügbar. Auf diesem Weg ist noch eine Reihe von Hürden zu überwinden, von denen ein zentraler Aspekt die Finanzierung des deutschen Gesundheitssystems ist.
Das Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) aus den 1970er Jahren sieht in Deutschland eine Zweiteilung für die finanzielle Organisation des Gesundheitssystems vor: die duale Finanzierung. Dieses ordnet den Bundesländern die Verantwortung für die Finanzierung von Investitionen im Bereich öffentlicher Kliniken zu, während die Betriebskosten in diesem Sektor durch die Krankenkassen zu decken sind. Seit Anfang der 1990er Jahre hat jedoch eine zunehmende Abkoppelung der bereitgestellten Ländermittel von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung eingesetzt. Defensive Schätzungen gehen deshalb von einem nachzuholenden Investitionsbedarf im Wert von 15 Milliarden Euro allein für die medizintechnischen Infrastrukturen in den deutschen Kliniken aus. Dieses Modell der Investitionsfinanzierung ist nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen mehr Flexibilität, um den unterschiedlichen Anforderungen beim Investitionsbedarf gerecht werden zu können.
Vor diesem Hintergrund wurden in der Medizintechnik bereits neue Finanzierungsmodelle diskutiert und teilweise neue Wege bestritten. Schlagworte sind Pay-per-Use, Bereitstellungsmodelle und Öffentlich-Private Partnerschaften. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. (ZVEI) hat derartige Alternativen in einem eigenen Expertenpapier bereits vor mehreren Jahren zusammengetragen. Die Verzögerungen beim Aufbau der Telematikinfrastruktur und bei der Modernisierung der Medizintechnik zeigen, dass die Thematik einen grundlegenderen Ansatz erfordert. Innovative Technik, neue Prozesse der Gesundheitsversorgung und die Finanzierung müssen gemeinsam betrachtet werden. Deshalb wurde im ZVEI das Kompetenzzentrum Gesundheitswirtschaft errichtet. Dort bündelt der Verband Wissen und Erfahrung seiner Abteilungen und Fachverbände sowie seiner Mitgliedsunternehmen. Das Kompetenzzentrum setzt sich zum Ziel, integrierte Lösungswege für ein eigenständiges und gesundes Leben zu entwickeln.
Zentrale ZVEI-Forderungen im Hinblick auf die Finanzierung einer sachgerechten Gesundheitsinfrastruktur liegen durchaus im Einflussbereich der gesetzlichen Krankenkassen oder der Pflegeversicherung. Die Entgeltsysteme müssen Anreize schaffen, dass innovative und verbesserte Verfahren schnell und flächendeckend zum Einsatz kommen. Ein bestimmter Prozentsatz der Mittel des Gesundheitsfonds, so ein Vorschlag der Industrie, sollte eine zeitlich befristete Kostenübernahme solcher Innovationen sichern, wenn Kliniken entsprechende Anträge bei den Institutionen der Selbstverwaltung stellen. Ziel muss es sein, dass die notwendigen Investitionen für Kliniken, wie in anderen Wirtschaftsbereichen, aus den Erlösen finanziert werden können. Umsetzbar wäre dies in einem marktwirtschaftlicher organisierten Gesundheitssystem bei weiterhin sozialem Ausgleich. Insofern macht sich der ZVEI beispielsweise im Rahmen der BDI-Initiative "Wirtschaft für Gesundheit" für weitgehende Entscheidungsfreiheiten aller Akteure im Gesundheitswesen stark: aufgeklärte und eigenverantwortliche Patienten, unternehmerische medizinische Leistungserbringer sowie ideenreiche, mutige Kassen.