ehealth: Jahrbuch 2010


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Dr. Bernhard Heitzer

Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie



 

Die Gesundheitswirtschaft – ein Wegweiser zu Wirtschaftswachstum und Beschäftigung

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) betrachtet die Gesundheitsbranche als einen der wichtigsten Wachstums- und Innovationsmotoren der deutschen Wirtschaft.

Die Gesundheitswirtschaft ist heute eine der größten Wirtschaftszweige, und die Wachstumsraten liegen hier über denen der Gesamtwirtschaft. Rechnet man zur medizinischen Versorgung, der Produktion und dem Handel mit medizintechnischen und pharmazeutischen Produkten noch den so genannten „Zweiten Gesundheitsmarkt“ der Fitness- und Bioprodukte hinzu, so beträgt der Anteil der Wertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft an der gesamten Bruttowertschöpfung über zehn Prozent und sichert weit über fünf Millionen Arbeitsplätze. Das im Auftrag des BMWi erstellte „Gesundheitssatellitenkonto“, ein europaweit bisher einzigartiges Projekt, hat die volkswirtschaftliche Bedeutung der Gesundheitswirtschaft eindrucksvoll aufgezeigt.

Vergleicht man zudem das Wachstum der Gesundheitswirtschaft mit dem der Gesamtwirtschaft, so ergibt sich, dass im Durchschnitt der Jahre 1997 bis 2008 die Gesundheitswirtschaft um 3,4 Prozent pro Jahr wuchs, die Gesamtwirtschaft hingegen um 1,9 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen in der Gesundheitswirtschaft wuchs in diesem Zeitraum um durchschnittlich 1,3 Prozent pro Jahr im Vergleich zu 0,6 Prozent in allen Branchen.

Wenn die richtigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen gesetzt werden, könnte die Beschäftigtenzahl in der Gesundheitswirtschaft bis 2020 um rund eine Million zunehmen, so das Ergebnis fachlicher Untersuchungen.

Die wichtigsten Wachstumstreiber neben dem demografischen Wandel sind dabei das wachsende Gesundheitsbewusstsein und der medizintechnische Fortschritt.

Die Gesundheitswirtschaft gehört daher auch zu den Schwerpunktbereichen der Hightech-Strategie der Bundesregierung. Das BMWi fördert die Gesundheitswirtschaft nicht nur im Rahmen seiner allgemeinen Programme zur Mittelstands- und Innovationsförderung, sondern auch durch gezielte Projekte, insbesondere im Bereich Telemedizin. Als Beispiel sei an dieser Stelle das Projekt „Partnership for the heart“ unter Federführung der Charité genannt. Es bietet eine neue und zukunftsweisende Form zur telemedizinischen Betreuung chronisch kranker Patienten und soll erstmals die Grundlagen für die Einbringung von Telemedizin in die Regelversorgung schaffen.

Über die reine Technologieförderung hinaus macht das BMWi insbesondere kleine und mittlere Unternehmen auf die wirtschaftlichen Potenziale der sich aus dem demografischen Wandel ergebenden Nachfrageverschiebungen aufmerksam. Zusammen mit dem TÜV Nord und dem Internationalen Designzentrum wurden Kriterien für generationengerechte Produkte entwickelt, und im vergangenen Jahr wurde ein im Auftrag des BMWi erstelltes Gutachten über die ökonomischen Impulse des Konzepts „Design für Alle“ veröffentlicht. Die Ergebnisse dieses Gutachtens werden vom Rationalisierungs- und Innovationszentrum RKW in einer Reihe von Konferenzen mittelständischen Unternehmen und Handwerksbetrieben vorgestellt. Am 15. September 2010 findet hierzu eine Konferenz im BMWi statt.

Innovationen führen auch zur Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Innovationsförderung und die von Bundesminister Rainer Brüderle Ende März angekündigte Außenwirtschaftsoffensive, die auch die Erstellung eines Rahmenplans für die Exportförderung in der Gesundheitswirtschaft vorsieht, gehen insofern Hand in Hand.

Der zweite Gesundheitswirtschaftskongress des BMWi, der am 4. Oktober 2010 von Bundesminister Brüderle eröffnet wird, wird sich verstärkt mit den Effekten von Innovationen in der Gesundheitswirtschaft befassen. Auch wenn sich auf den ersten Blick der technische Fortschritt in der Gesundheitswirtschaft auf die medizintechnische und die pharmazeutische Industrie zu beschränken scheint, sind hier innovative Dienstleistungen, zum Beispiel im Bereich der Versorgung und Diagnostik, ebenso gefragt. Letztlich gilt auch für die Gesundheitswirtschaft als Ganzes dasselbe wie für alle Wirtschaftszweige: Nur der Wandel selbst ist von Bestand.