ehealth: Jahrbuch 2010


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Dr. Reiner Haseloff

Minister für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt



 

Innovationsförderung im Gesundheitswesen in Sachsen-Anhalt

Gesundheit für alle – das ist eine zentrale Forderung an eine humane Gesellschaft. Dabei wurde das Gesundheitswesen bis vor einigen Jahren ausschließlich als Kostenfaktor betrachtet. Unberücksichtigt blieben Wertschöpfung und Beschäftigungspotential dieser Branche. Dies hat sich gewandelt. Zu Recht. So gilt die Gesundheitswirtschaft sowohl in Deutschland als auch weltweit als Zukunftsbranche und wichtiges Einsatzfeld von Hightech-Innovationen. Gerade der demographische Wandel hat zusätzliche Bewegung in die Gesundheitswirtschaft gebracht, die neben Krankenhäusern, ambulant tätigen Ärzten, Apotheken und Pflegediensten auch Pharmaunternehmen und Medizingeräteproduzenten sowie Randbereiche wie etwa den Gesundheitstourismus umfasst.

Sachsen-Anhalt will sich als Gesundheitsregion der Zukunft profilieren. Schon jetzt ist die Gesundheitswirtschaft eine der beschäftigungsstärksten Branchen im Land. Mehr als 100.000 Menschen – und damit mehr als jeder achte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – sind dort tätig. Zudem forschen Wissenschaftler an unseren heimischen Universitäten und Fachhochschulen umfangreich zu Medizintechnik sowie Gesundheits- und Pflegewissenschaften. Hinzu kommt, dass die Medizintechnik zu den Innovationsschwerpunkten der Landesregierung zählt und dementsprechend unterstützt wird. Ein Beleg dafür: Seit 1992 wurden rund 110 Projekte für Forschung und Entwicklung im Bereich Medizintechnik mit knapp 32 Millionen Euro gefördert. Auch dadurch ist es in Sachsen-Anhalt gelungen, auf Basis einer profilierten und gut vernetzten Forschungslandschaft auf dem Gebiet der Medizintechnik Nischen erfolgreich zu besetzen.

Um die Gesundheitswirtschaft im Land weiter zu stärken, haben wir zudem für heimische Mittelständler erst kürzlich den Wettbewerb „IKT für Gesundheit und Barrierefreiheit“ ausgelobt. Im Mittelpunkt stehen Entwicklung und Einsatz innovativer Informations-, Kommunikations- und Medientechnologien und Dienstleistungskonzepte für das Gesundheitswesen, die über eingeführte IT-, Betriebswirtschafts- oder Internetapplikationen hinausgehen. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. So könnten etwa ambulante Pflegedienste durch mobile Datenerfassung und eine integrierte Dienst- und Tourenplanung ihren Personaleinsatz optimieren. Denkbar ist auch eine Anwendung für den Hausbesuch, die es dem Arzt ermöglicht, über Mobilfunk auf die im EDV-System der eigenen Praxis gespeicherten medizinischen Daten des jeweiligen Patienten zuzugreifen. Gefördert werden können auch innovative Ansätze zur Fernüberwachung von Patienten und demenzkranken Menschen.

Diese passgenauen IT-Lösungen sollen dabei helfen, die Effizienz der Gesundheitsversorgung zu steigern, deren Qualität zu verbessern sowie Verwaltungsprozesse zu optimieren. Da kleine und mittlere Unternehmen, die auf sich allein gestellt sind, dabei häufig an ihre Grenzen stoßen, wollen wir durch die Förderung von Projektgemeinschaften aus mindestens zwei heimischen Mittelständlern zudem den Aufbau von Netzwerken anregen, damit die Anwendung moderner Informationstechnologien in unternehmerischen Erfolg umgemünzt werden kann.

Die Resonanz zeigt, dass wir mit dem Wettbewerbsthema den richtigen Nerv getroffen haben. Fast 80 Unternehmen haben sich mit Ihren Projektideen beteiligt. Die fünf Gewinner werden im August 2010 feststehen. Für die Entwicklung ihrer innovativen IT-Lösung im Gesundheitswesen erhalten sie dann bis zu 300.000 Euro aus dem 2002 gestarteten „Sonderprogramm zum Aufbau der Informationsgesellschaft in Sachsen-Anhalt“.

Als Innovationsbeauftragter des Landes Sachsen-Anhalt weiß ich: Innovationen sind ein wesentlicher Katalysator für den wirtschaftlichen Erfolg. Wir bleiben nur wettbewerbsfähig, wenn wir bei der Produktentwicklung immer einen Schritt voraus sind. Dies gilt auch im Gesundheitswesen.