ehealth: Jahrbuch 2010


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Frank Kettner-Nikolaus

Projektleiter Life Sciences/Gesundheitswirtschaft, hannoverimpuls



 

Gesundheitsregion Hannover: Vernetzung als Wachstumsfaktor

„Andere nennen sich Gesundheitsregion - wir sind es", ist Norbert Ohnesorg, Geschäftsführer des Klinikums Region Hannover, vom Standort Hannover überzeugt. Das Klinikum Region Hannover, an dem 8.500 Mitarbeiter jährlich 130.000 stationäre und 180.000 ambulante Patienten behandeln, arbeitet an 13 Standorten in der Region Hannover. Damit ist es einer der größten öffentlichen Krankenhausträger in Deutschland. Hier gibt es eine enge Zusammenarbeit unter den Kompetenzträgern an den unterschiedlichen Standorten und mit den rund 1.400 Ärzten in der Region. Mit der Medizinischen Hochschule Hannover wird intensiv kooperiert.

Für die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ist die Kooperation mit anderen herausragenden wissenschaftlichen Einrichtungen neben der starken Profilierung und medizinisch sowie betriebswirtschaftlichen Optimierung zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor geworden: Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen erforschen beispielsweise im Exzellenzcluster REBIRTH erfolgreich die Züchtung von Gewebe mit Hilfe von Stammzellen, um erkrankte Zellen auszutauschen. Beteiligt sind neben der Medizinischen Hochschule Hannover sechs weitere Forschungsinstitute aus Niedersachsen. Die REBIRTH-Forscher haben bereits neue Erkenntnisse gewonnen, wie Erkrankungen in Folge des Herpes-Virus therapiert werden können. Manager und Sprecher von REBIRTH ist Prof. Dr. Dr. h. c. Axel Haverich, international bekannter Herzchirurg und Forscher mit dem Schwerpunkt Tissue Engineering. Haverich, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie (HTTG-Chirurgie) der MHH, und sein Team sind die Entwickler der mitwachsenden menschlichen Herzklappe, die 2008 erstmals einem Kind in Deutschland in der MHH implantiert wurde. Haverich hat ein Verfahren entwickelt, menschliche Spenderklappen von sämtlichen Zellen des Spenders zu befreien. Die dann entstehende Herzklappen-Matrix pflanzen sie dem Empfänger ein. Es lagern sich an der Matrix Zellen des Empfängers an und vermehren sich, so dass die neue Herzklappe wachsen kann. „Da die Zellen des Spenders entfernt werden, kommt es nicht zu Abstoßungsreaktionen", erläutert Haverich.

In der Translationsallianz Niedersachsen arbeitet die MHH gemeinsam mit der Leibniz Universität Hannover, dem Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung, der Tierärztlichen Hochschule Hannover, der Technischen Universität Braunschweig und dem Fraunhofer Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) an der konsequenten Weiterentwicklung neuer Wirkstoffkandidaten und Impfstoffe. Aus der Grundlagenforschung in die präklinische und klinische Entwicklung: Neueste Ergebnisse der Grundlagenforschung führen so auf kurzen Wegen zu neuen Therapien oder Diagnoseverfahren für Patienten. Und gleichzeitig werden Fragen, die bei der klinischen Arbeit entstehen von Grundlagenforschern bearbeitet. Grundlage für diese erfolgreiche Zusammenarbeit ist neben der Expertise herausragender Wissenschaftler eine umfassende Infrastruktur. Diese besteht aus einem Wirkstoffzentrum, einem Zentrum für Systembiologie, einem Zoonose-Zentrum sowie einem Phase1-Zentrum für klinische Studien und dem Zentrum für experimentelle und klinische Infektionsforschung, Twincore. Vernetzung ist auch hier ein wichtiger Wachstumsfaktor.

Dies zeigt sich auch an der jüngsten Erfolgsgeschichte der Gesundheitswirtschaftsregion Hannover: Mit Mitteln des Landes Niedersachsen und des Bundesforschungsministeriums wird für 53 Millionen Euro ein neues Gebäude für das in 2009 gegründete Niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik und Implantatforschung (NZ-BMT) errichtet. Das Zentrum wird gemeinsam von der MHH, der Leibniz Universität und der Tierärztlichen Hochschule Hannover betrieben. Damit wird eine weitere Stärkung in der interdisziplinären Zusammenarbeit im Kompetenzfeld Biomedizintechnik am Standort erreicht.

„Hannover ist einfach erstklassig. Einrichtungen wie das Hörzentrum Hannover sind Modelle der Zukunft", sagt Martin Kind, Geschäftsführer der Kind Hörgeräte GmbH & Co KG mit Sitz in der Region Hannover und 550 Filialen in 15 Ländern in Europa. Das Hörzentrum Hannover der HNO-Klinik der MHH bietet den kompletten Service: Von der umfassenden audiologischen Differentialdiagnostik, über die Beratung für ein mögliches Hörsystem, ggf. eine Operation bis hin zur lebenslangen medizinischen, technischen und pädagogischen Nachsorge und Betreuung der Patienten. Eng verzahnt arbeitet hier ein Team um Hörzentrum-Direktor Professor Dr. med. Thomas Lenarz mit HNO-Ärzten, Medizin-Ingenieuren, Pädagogen und Logopäden, Hörgeräteakustikern, Herstellern von Hörsystemen sowie Wissenschaftlern in direktem Austausch mit den Patienten. Die enge Zusammenarbeit mit den Herstellern von Hörsystemen im Haus des Hörzentrums bietet zudem die Möglichkeit zur Kooperation auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung. International bekannt ist das Hörzentrum für das weltweit größte Cochlea-Implantat-Programm: Mehr als 4.000 Erwachsene und Kinder sind hier bereits mit Implantaten versorgt worden. Professor Lenarz: „Wir können hier Patienten mit einer Hörstörung besser, schneller und an ihre individuellen Bedürfnisse angepasst versorgen - jeder Patient hört anders schwer."

Das Zentrum verzeichnet weltweit eine große Nachfrage. Eine große überregionale und internationale Resonanz ist auch für andere Kliniken in der Region festzustellen: Die Henriettenstiftung behandelt im Auftrag des britischen Verteidigungsministeriums Soldaten und deren Angehörige. Das Klinikum Region Hannover versorgt Patienten aus Russland und dem arabischen Raum. Für die hannoversche Privatklinik International Neuroscience Institute unter Leitung des renommierten Neurochirurgen Professor Dr. med. Dr. h. c. mult. Madjid Samii bilden internationale Patienten die vorrangige Zielgruppe: Mehr als die Hälfte der 1.500 operierten Patienten kommen aus anderen Ländern.

Hannover als Gesundheitswirtschafts- und Messestandort ist international ausgerichtet: Zur BIOTECHNICA 2009 kamen gut 650 Aussteller sowie 11.000 Fachbesucher und Konferenzteilnehmer aus insgesamt 51 Ländern. Die jährlich stattfindende BIOTECHNICA ist damit der europäische Branchentreff Nr. 1 für Biotechnologie und Life Sciences. Auch im Wachstumsmarkt Pflege bietet Hannover die attraktivste Branchen-Plattform: In jedem zweiten Jahr findet hier die Leitmesse ALTENPFLEGE auf dem Messegelände statt. Aktuell kamen mehr als 30.000 Fachbesucher und Entscheider zu den mehr als 700 Ausstellern. „Die Branche ist ein Jobmotor", sagte Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler bei der Messeeröffnung. Rösler hat eine besondere Beziehung zu Hannover: Es ist seine Heimat. An der MHH hat er Medizin studiert und in Hannover war er Wirtschaftsminister, bevor er ins Bundeskabinett gerufen wurde.

Tatsächlich überwiegt in der Region Hannover der positive Blick auf die neuen Herausforderungen des demografischen Wandels. Schon jetzt arbeiten hier in der Gesundheitswirtschaft nach einer aktuellen Studie des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung mehr als 65.000 Erwerbstätige in mehr als 3.000 Unternehmen bei steigender Tendenz. „In Hannover gibt es hervorragende Fachkräfte, herausragende Kompetenzen und eine Kultur der Zusammenarbeit, die diesen Standort für die Gesundheitswirtschaft zur ersten Adresse macht", sagt Frank Kettner-Nikolaus, Projektleiter Gesundheitswirtschaft bei der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft hannoverimpuls. „Diese Branche ist für die Region der vorrangige Wachstumsmarkt. Wir setzen auf den Wachstumsfaktor Vernetzung, um die Entwicklung noch zu beschleunigen." Daher werde derzeit ein Netzwerk Gesundheitswirtschaft Region Hannover aufgebaut, um u. a. gemeinsam Projekte im Bereich Versorgungsmanagement, Produktentwicklung, Personal und Qualifizierung und betriebliches Gesundheitsmanagement umzusetzen.

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