ehealth: Jahrbuch 2010


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Heinz Kölking

Präsident, Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e. V. (VKD)



 

Qualität und Effizienz

Anforderungen an die Finanzierung eines innovativen und zuverlässigen deutschen Krankenhauswesens

Die Sicherung und Weiterentwicklung unserer Errungenschaften in einer Zivilgesellschaft erfordern eine Gesundheitsversorgung von exzellenter Qualität und hoher Effizienz. Dies gilt umso mehr angesichts der gesellschaftlichen Demografie und der Fortschritte in der Medizin. Neben der Basisversorgung gehört hierzu zweifelsohne eine qualifizierte Krankenhausversorgung.

Hohe Qualität bedeutet dabei Exzellenz in den Strukturen, Prozessen und Ergebnissen der Krankenhausversorgung.

Besondere Anforderungen ergeben sich außerdem daraus, dass Krankenhäuser Verantwortung für kranke Menschen haben. Es bedarf also einer besonderen „Begegnungsqualität“, die Mitarbeiter in Medizin und Pflege den Patienten gegenüber aufbringen.

Die Strukturqualität umfasst insbesondere die Gebäude, deren Infrastruktur, die medizinische und technische Ausstattung und immer mehr die IT-Infrastruktur. Von besonderer Bedeutung sind die ausreichende Anzahl und die Qualifikation der eingesetzten Mitarbeiter.

Immer größer werden die Anforderungen an die Prozessqualität zur Sicherung patientenorientierter Abläufe in Diagnostik und Behandlung mit allen dafür notwendigen Voraussetzungen, die durch Logistik, unterstützende Prozesse und guten Service geschaffen werden. Die zunehmende Vielfalt an Möglichkeiten in der Medizin und die damit verbundene notwendige Zusammenführung von Wissen und Erfahrung vieler verschiedener Experten und Verfahren erhöhen die Komplexität und erfordern eine zielgerichtete Organisation für die Patienten. Dies gilt zunehmend auch für die über die Sektoren hinweg zu gestaltende Organisation der Patientenversorgung.

Exzellente Ergebnisse entstehen schließlich, wenn diese beiden ersten Dimensionen der Qualität stimmen.

Exzellente Qualität ist die Voraussetzung für hohe Effektivität, Effizienz und damit Wirtschaftlichkeit. Diese ist allerdings nicht Selbstzweck, sondern muss immer dem wichtigsten Ziel eines Krankenhauses, der bestmöglichen Behandlung der Patienten, verpflichtet sein. Das kann und soll durchaus im Rahmen des Wettbewerbs geschehen.

Wer diese Zusammenhänge betrachtet, erkennt, dass exzellente Qualität am Ende auch immer die Vermeidung bzw. Reduktion von Verschwendung bewirkt.

Um den Akteuren in der Krankenhauswirtschaft eine Unternehmensentwicklung zu exzellenter Qualität mit hoher Effektivität, Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu ermöglichen, muss aber auch eine ausreichende Finanzierung der Strukturen und Leistungen gesichert sein. Ohne wirtschaftlichen Erfolg können sie ihren Versorgungsauftrag nicht erfüllen. Deshalb benötigen sie vor allem eine verlässliche, leistungsbezogene Vergütung ihrer Arbeit, einschließlich einer adäquaten Finanzierung von Investitionen.

Diese Finanzierung muss ihnen Spielräume für die Gestaltung ihrer Leistungsangebote und insbesondere Anreize für Innovationen geben. Dabei ist nicht nur an die Medizin und Medizintechnik zu denken, sondern es geht um sämtliche Fortschrittsdimensionen – in den Behandlungsprozessen ebenso wie in der Organisation oder auch der fachlichen und sozialen Personalentwicklung.

Damit einhergehend bedarf es einer Erneuerung der Wertschätzung der in den verschiedenen Berufen im Krankenhaus tätigen Menschen durch Politik und Gesellschaft. Gelingt dies nicht, wird man im Wettbewerb um qualifizierten beruflichen Nachwuchs das Nachsehen haben und insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung Versorgungsengpässe provozieren. In diesem Kontext ist immer wieder darauf hinzuweisen, dass Krankenhäuser und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neben der gesellschaftlichen Versorgungsaufgabe auch einen erheblichen gesamtwirtschaftlichen Mehrwert schaffen. Sie sichern Arbeitsplätze, Kaufkraft und Steuern.