ehealth: Jahrbuch 2010


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Prof. Dr. Kurt Becker Berufsverband Medizinischer Informatiker BVMI e.V. Sprecher der Landesvertretung NRW, Studienleiter Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft, Bremen, Vorstand promedtheus AG, Erkelenz
Dr. Carl Dujat Präsident BVMI e.V., Vorstand



 

Prozessverbesserungen durch die Konvergenz von Medizintechnik und IT

Spätestens seit der Einführung der Diagnosis Related Groups (DRG) setzen die Gesundheitsunternehmen flächendeckend Informationstechnologie (IT) ein. Obwohl die Unternehmen damit zunächst nur einen ersten Schritt zum "digitalen Krankenhaus" gegangen sind, werden auf dieser Grundlage immer mehr Geschäftsprozesse digitalisiert. Gesundheitsunternehmen haben üblicherweise mindestens ebenso hohe Anforderungen an sichere und hochverfügbare IT-Lösungen wie die Industrie, jedoch meistens wesentlich geringere IT-Budgets zur Umsetzung der Maßnahmen.

Insbesondere in Krankenhäusern ist die Anzahl der benötigten Applikationen sehr hoch. 80 verschiedene Anwendungssysteme sind in einem Universitätsklinikum keine Seltenheit. Diese lassen sich bei guter Auswahl auf etwa 15 Hauptanwendungen konsolidieren. Jedoch werden aufgrund gesetzlicher oder organisatorischer Änderungen, z. B bei den Vergütungssystemen (SGB V - §291, §115b, §116 etc.) oft viele weitere Zusatzapplikationen wie z. B. Groupersoftware oder Software für das externe Qualitätsmanagement benötigt, selbst wenn das IT-Management bereits konsolidiert hat.

Parallel zu dieser Entwicklung wurden auch die medizintechnischen Geräte der Krankenhäuser miteinander vernetzt, häufig zunächst mit einem eigenen Medizintechnik-Netzwerk. Die Pflege verschiedener Netzwerke im gleichen Krankenhausunternehmen wurde auf Dauer zu teuer, so dass nun auch die Medizintechnik auf die IT-Netzwerke zurückgreift. Eine ähnliche Tendenz ist im Bereich der Telekommunikationsanwendungen zu beobachten. Herkömmliche Telefonanlagen werden zunehmend durch Voice-over-IP-Lösungen (VOIP) ersetzt und nutzen auch das IP-Netzwerk. Eine weitere Herausforderung ist die Anbindung externer Partner über E-Health.

Die Nutzung wichtiger Ressourcen durch verschiedene Verantwortungsbereiche erfordert eine umfassende Abstimmung der beteiligten Bereiche, nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund einer Risiko- und Performancebetrachtung. Ähnliche Fragestellungen treten auch beim Dokumentenmanagement, der Archivierung und der elektronischen Signatur auf.

Um die wichtigen Geschäftsprozesse eines Gesundheitsunternehmens effizient steuern zu können, wird eine durchgägige interoperable Informations- und Kommunikationslösung für alle angesprochenen Bereiche und auch der Zugang zu sicheren E-Health-Strukturen benötigt. Mit der Konvergenz von Medizintechnik und IT, d. h. einer operativen Zusammenführung aller informationstechnischen Bereiche eines Gesundheitsunternehmens wird der Weg zu einem effizienten Gesundheitstechnologiemanagement beschritten. Unter Gesundheitstechnologie verstehen wir die Kombination von Informationstechnik, medizinspezifischer Informationstechnik (z. B. medizinische Informationssysteme, medizinische Bildarchive etc.) und Medizintechnik (MT).

Die Entscheider im Gesundheitswesen müssen dabei berücksichtigen, dass es nicht bei einer einmaligen Investition in IT und MT bleibt, sondern dass die einmal beschafften Systeme kontinuierlich betreut und gewartet werden müssen. Im Bereich der Hardwaresysteme sind aufgrund der technischen Entwicklung sowie wegen Alterung und Verschleiß alle drei- bis fünf Jahre Ersatzbeschaffungen vorzunehmen. Bei den Betriebssystemen und der Anwendungssoftware findet alle fünf bis acht Jahre ein Systemwechsel
statt.

Über die Jahre des IT/MT-Einsatzes sammelt sich so in einem Gesundheitsunternehmen eine Vielzahl von Systemen und Technologien an, für die auch kompetentes Betreuungspersonal vorgehalten und kontinuierlich weitergebildet werden muss. Im Bereich Personal kommt erschwerend hinzu, dass ein Gesundheitsunternehmen die gleichen Basistechnologien einsetzt wie ein Industrieunternehmen, im Regelfall jedoch für qualifiziertes Personal wesentlich weniger Gehalt zahlen kann.

Das effiziente und gesetzeskonforme Management von Gesundheitstechnologie erfordert eine vorausschauende und strategische Planung und Konzeption sowie eine konsequente Umsetzung der Konzepte. Dies lässt sich am besten mit einer Gesundheitstechnologie-Masterplanung erreichen, die die wesentlichen Investitions- und Betriebsmaßnahmen für einen überschaubaren Zeitraum von drei bis fünf Jahren betrachtet. Nur mit einer effizienten Gesundheitstechnologieinfrastruktur lassen sich effiziente medizinische Prozesse implementieren und wirtschaftlich betreiben.