Unsere Realität, all das was wir tun und was von uns täglich gefordert wird, ist ohne moderne Informations- und Kommunikationstechnologien nicht mehr vorstellbar. Diese Entwicklung hat auch den Gesundheitsbereich erreicht. Die Bedeutung des Einsatzes von Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen ist bereits heute groß und sie wird in Zukunft noch weiter wachsen.
Experten schätzen, dass zwischen 20 und 40 Prozent der Leistungen im Gesundheitswesen auf Datenerfassung, Wissensverarbeitung und Kommunikation entfallen. Die Leistungsfähigkeit der Ärztinnen und Ärzte ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Diagnose und Therapie. Sie wird dadurch unterstützt, dass schnell und sicher wichtige Informationen verfügbar sind und zwischen den Beteiligten ausgetauscht werden.
Wir beobachten heute in der Medizin eine zunehmende Spezialisierung. Diese Entwicklung führt dazu, dass medizinische Informationen bei mehreren Fachärzten dokumentiert und archiviert werden. Im Behandlungsfall kommt es darauf an, dass die Ärztin oder der Arzt schnell auf alle relevanten Gesundheitsdaten zugreifen kann. Das gelingt nur mit Unterstützung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien. Diese Technologien helfen dabei, Daten systematisch zu archivieren, zu ordnen, zu verwalten, zu transportieren, aufzubereiten und zu interpretieren. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag für die Verbesserung der Patientenversorgung.
Beim Aufbau neuer IT-Infrastrukturen im Gesundheitswesen stehen bei uns Datenschutz und Praktikabilität der Anwendungen im Vordergrund. Beides sind grundlegende Voraussetzungen für die erfolgreiche Realisierung in Praxen und Krankenhäusern.
Bereits heute haben viele Einrichtungen im Gesundheitswesen die Vorzüge der EDV erkannt. Die Systeme sind aber in sich geschlossen, Daten können nicht untereinander ausgetauscht werden. Deshalb brauchen wir eine Telematikinfrastruktur. Sie schafft die technischen Voraussetzungen für den verlässlichen und praktikablen Austausch von medizinischen Daten.
Ich begrüße es, dass die für den Aufbau der Telematikinfrastruktur zuständigen Organisationen der Selbstverwaltung im April diesen Jahres die entscheidenden Festlegungen für das weitere Vorgehen der nächsten Jahre getroffen haben. Künftig wird es eine klare Verteilung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten geben. Die Arbeiten werden sich zunächst auf die Anwendungen modernes Versichertenstammdatenmanagement, sichere Kommunikation der Leistungserbringer und Notfalldatensatz konzentrieren. Mit diesen Anwendungen kann direkt beim Start ein Nutzen für alle Beteiligten erreicht werden. Möglich wird dies auch durch die von der Selbstverwaltung beschlossene Verbesserung der Entscheidungsstrukturen.
Mit einer belastbaren Perspektive und stabilen Rahmenbedingungen können wir jetzt wichtige Impulse für den weiteren Aufbau der Telematikinfrastruktur geben. Die deutsche Gesundheitswirtschaft mit ihren mehr als vier Millionen Beschäftigten und einem Anteil von mehr als zwölf Prozent des Bruttosozialprodukts gehört schon heute zu einem der wichtigsten Wirtschaftsbereiche. Auch bei den bisherigen Arbeiten zur Planung und zum Aufbau einer Telematikinfrastruktur hat eine Vielzahl von Unternehmen durch die von ihnen geleisteten Arbeiten wesentlich zum bisher erreichten Entwicklungsstand beigetragen.
Ich bin davon überzeugt, dass wir mit diesem Schritt in das Informationszeitalter im Gesundheitswesen auch international Standards setzen können. Denn die Gesundheitssysteme in Europa stehen alle vor den gleichen Herausforderungen. Eine steigende Zahl von älteren und multimorbiden Menschen muss adäquat versorgt werden. Hinzu kommt, dass es aufgrund der Änderung der Versorgungsstrukturen immer schwieriger wird, den Zugang zur medizinischen Expertise in ländlichen Gebieten zu gewährleisten.
Für mich steht fest, dass die Technik nur Mittel zum Zweck sein kann. Mein Ziel ist eine bessere und auch wirtschaftlichere medizinische Versorgung für alle Beteiligten. Telemedizin und Telemonitoring eröffnen neue Möglichkeiten für Diagnose und Therapie. Räumliche Distanzen werden künftig nicht mehr die Bedeutung haben wie heute. Der Zugang zu Versorgungsangeboten, insbesondere der Zugang zu Expertenwissen, wird durch die Nutzung von Informationstechnologien nicht mehr örtlich begrenzt sein.
Der durch “Wegweiser“ initiierte konstruktive Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren kann einen wichtigen Beitrag für die Nutzung der Chancen der Telematik leisten. Denn beim Aufbau der Telematikinfrastruktur handelt es sich um ein anspruchsvolles Projekt. Für einen erfolgreichen Verlauf sind wir auf die Mitarbeit und das Engagement der Nutzer, also der Ärztinnen und Ärzte, Krankenhäuser und anderer Leistungserbringer angewiesen. Ohne die Akzeptanz derjenigen, die die Technik anwenden, lässt sich die Einführung der Telematikinfrastruktur nicht bewerkstelligen.
Akzeptanz jedoch setzt zweierlei voraus: Erstens müssen die Anwendungen einen Mehrwert für die Beteiligten bieten und zweitens müssen technische Lösungen gefunden werden, die konkret erlebbare Prozessverbesserungen bringen. Hierbei sind alle gefordert: Die Organisationen der Selbsterwaltung bei den fachlichen Vorgaben und die Industrie durch ihr Know-how.